Natur und Landschaft

Geologie und Entstehungsgeschichte
Im Osten parallel zum Rhein erstreckt sich auf ca. 80 km Länge von Siegburg im Süden über Köln und Solingen bis zur Ruhr ein schmaler Heide- und Waldstreifen, der das Bergische Land von der Rheinebene scheidet.

Wechselnde Kalt- und Warmzeiten führten im Eiszeitalter zur Bildung von Flussterrassen, besonders augenfällig sind z.B. die vielen Baggerseen und Auskiesungen der “Niederterrasse” zwischen Leverkusen und Düsseldorf.
Die sogenannte “Hildener Mittelterrasse” besteht vor allem aus Geröll und Lockersediment des ehemaligen Rheinbettes, überdeckt durch Flugsand. Die nach Nordwesten geneigte Sand- und Schotterfläche wird von zahlreichen Bächen durchzogen, hier schaut vereinzelt auch einmal der eine oder andere Felsblock heraus, das sind die Spitzen des “Rheinischen Schiefergebirges”, das im Devon (vor 400-350 Mio. Jahren) entstand. Am Fuß der “Hauptterrasse”, am steilen Übergang ins Bergische Land, liegen Meeressande aus dem Tertiär, die mit Rasenerz und tonigen Schichten wasserstauend wirken. Hier entspringen viele Bäche, hier findet sich die typischen Heidemoore und auch der Spörkelnbruch.

Wetter + Klima
Es gibt kein schlechtes Wetter im Spörkelnbruch, nur eventuell zu kurze Gummistiefel…. Im Ernst: Überwiegend wird das Großklima im Rheinland durch atlantische Einflüsse bestimmt. Das heisst, die Temperaturverhältnisse sind ausgeglichen und ohne besondere Extreme.

Die atlantischen Tiefausläufer stauen sich an den Hängen des Bergischen Landes, deshalb steigen die Niederschläge von jährlich etwa 600 mm im der Rheinebene bis auf über 1200 mm in Solingen und Wuppertal an. Im Spörkelnbruch sind es ca 800 mm. Im Sommer regnet es hier mehr als notwendig, dafür regnet es im Winter etwas mehr. Aber was hilfts, schliesslich ist das hier ein Feuchtgebiet.

Restnatur im Ballungsraum
Ach ja, das Thema Landschaft. Seit der Neanderthaler auf ein paar Trampelpfaden durch das nahegelegene Düsseltal trottete, hat sich so einiges getan in der Gegend. Wer´s noch nicht gemerkt hat: Der Spörkelnbruch liegt im Ballungsraum Rhein-Ruhr, nur einen kräftigen Steinwurf von der Autobahn A 46 entfernt, auch die alte “Reichsautobahn” Oberhausen-Köln (A3) liegt in Hörweite. Rundherum gruppieren sich in Fahrrad-Entfernung Düsseldorf, Duisburg, Essen, Wuppertal, Leverkusen, Köln, Neuss und ein paar kleine Dörfchen wie Hilden, Erkrath, Remscheid, Mettmann, Solingen und Langenfeld.

Durch Erkrath-Hochdahl, übrigens eines der größten Städtebau-Projekte Nordrhein-Westfalens in der Nachkriegszeit, führte schon im Mittelalter die “strata coloniensis”, die alte Heer- und Handelsstraße zwischen Köln und Norddeutschland.

Der Kreis Mettmann ist flächenmäßig der kleinste, gleichzeitig der am dichtesten besiedelte Landkreis Deutschlands. Bis heute entwickelte sich in der Region ein chaotisches Durcheinander von Siedlungsbrei, Gewerbegebieten, Autobahnen und allerlei sonstigen Verkehrswegen rund um ein paar kleine Stückchen Restnatur. Der gemeine Rheinländer nennt sowas häufig “Landschaft”, obwohl das allermeiste davon Häuserschluchten und Lärmschutzwände sind. Wie aus einem Feldweg zwischen Hilden und Haan eine respektable Bundesautobahn wurde, kann – wer unbedingt will – bei Autobahn-Online.de nachlesen. Das ist allerdings mehr etwas für Landesplaner. Biologen und Naturschützer wenden sich vorher ab mit Grausen.

Versuche, die Heide- und Moorflächen rund um den Spörkelnbruch durch Aufforstung, Trockenlegung etc. intensiv nutzbar zu machen, hat es reichlich gegeben. Und selbst im neuen Jahrtausend ist damit kein Schluß, selbst in ausgewiesenen Naturschutzgebieten.

Doch die Böden im Bergischen Heidestreifen sind – zum Glück – so armselig, so dass einige Flecken von der modernen Land- und Forstwirtschaft und ihren Begleiterscheinungen verschont geblieben sind. Auch durch ausgedehnte Waldbrände – zuletzt 1919-21 mit ca. 80 Hektar Fläche – wurde die Umwandlung der Heide in Wald immer wieder zunichte gemacht.

Naturschutz kontra Straßenbau
Momentan sieht es so aus, als sei das Gebiet durch eine Reihe von Planungsinstrumenten vor der weiteren Zerstörung geschützt, so sind Spörkelnbruch, Hildener und Ohligser Heide im Landesentwicklungsplan (LEP) NRW als Gebiete “für den Schutz der Natur” ausgewiesen (Gebietskürzel D_RR-154, insgesamt 415 Hektar).

Seit 1984 steht ein 11,1 Hektar großer Teil des Spörkelnbruch unter Naturschutz, vor allem Moorwald und Feuchtwiesen (Schutzgebiet Nr. 05.158.09.). Auslöser der Unterschutzstellung war – wie so oft – der Straßenbau. Die Trasse des geplanten Autobahnzubringers für den Solinger Norden führte von Süden nach Norden mitten durch die Nassbiotope.
Gegen die Planung gab es in der Bevölkerung von Haan und Solingen starken Widerstand, die Bürgerinitiative “Keine L 288 n” konnte den Bau der Straße glücklicherweise vereiteln. Einiges davon ist nachzulesen im “Kiebitz”, den die AGNU (Arbeitsgemeinschaft Natur + Umwelt Haan e.V) herausgibt.

Botanische Kostbarkeiten
August LOMBERG (1928) schrieb über einen Besuch im Spörkelnbruch. “Schreiten wir im Sommer zu den Moorgründen herab, so kommen wir bald zu der Stelle, wo der blaue Enzian blüht….”. Der Lungenenzian ist zwar schon lange aus dem Gebiet verschwunden, aber auch heute noch sind einige bemerkenswerte Pflanzenbestände erhalten geblieben. Besonders spektakulär und einer der Hauptgründe für die Unterschutzstellung des Gebietes ist zum Beispiel der Massenbestand des gefleckten Knabenkrautes (Dactylorhiza maculata) auf den Feuchtwiesen des Spörkelnbruches.

Einige weitere Besonderheiten: Eine größerer Bestand des Königsfarns (Osmunda regalis) und des Kleinen Helmkrautes (Scutellaria minor), die Glatte Segge (Carex laevigata) hat hier ihren einzigen rechtsrheinischen Wuchsort in der Bundesrepublik. Im NSG Spörkelnbruch-Hildener Heide finden sich ein paar kleine, atlantisch geprägte Heidemoore mit Gagelstrauch (Myrica gale), Sonnentau und Moorlilie (Narthecium ossifragum)

Die Fauna
Wer ornithologische Highlights im Spörkelnbruch erwartet, wird enttäuscht sein: Durch den Landschaftswandel von der offenen Heide hin zum Wald verschwanden ehemals häufige “Spitzen”-Vogelarten wie Ziegenmelker, Heidelerche, Wiesenpieper bereits in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts aus dem Spörkelnbruch und der Hildener Heide. Fehlanzeige herrscht momentan auch bei Baumpieper und Baumfalke, echte Wiesenvögel fehlen völlig.

Aber es gibt kleine Erfolge: Ein Schwarzkehlchen, Ringdriossel und Heidelerchen auf dem Durchzug, dazu regelmäßig einzelne Schafstelzen. Grünspecht, Schleiereule und Waldkauz. Graureiher und Turmfalke, Misteldrossel und Hohltaube nutzen die Wiesen und Weiden zur Nahrungssuche. Im Winter haben wir regelmäßig einen schönen Goldammernschwarm an Körnern und Samen rund um die Heuraufe. Der Wespenbusard brütet in einem kleinen Wäldchen in der Nähe, und wem das nicht reicht, der wartet auf die Kraniche, die zweimal im Jahr zu tausenden übers Haus ziehen.

Die an den Spörkelnbruch angrenzende Hildener Heide war bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Mekka für alle Insektenforscher des Rheinlands, und auch heute noch findet sich hier so manches seltene Tier. Die Liste der Schmetterlinge des Spörkelnbruchs umfasst mindestens 300 Arten, seltene Käfer wie der Sägebock (Prionus coriarius), Moschusbock (Aromia moschata) und Stierkäfer (Typhoeus typhoeus) leben hier. Nashornkäfer gibt es in unserem Garten in Menge, seitdem wir im Garten einen großen Totholzhaufen angelegt haben werden sogar vereinzelt Hischkäfer gesichtet.

“Natura 2000″
Die Europäische Gemeinschaft verabschiedete im Mai 1992 die Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie, Ziel ist Erhaltung der in Europa vorhandenen biologischen Vielfalt.
Die Mitgliedsstaaten der EU haben sich darin u.a. verpflichtet, ein zusammenhängendes ökologisches Netz besonders wertvoller Schutzgebiete, das Natura 2000-Schutzgebiets-Netzwerk aufzubauen. Es setzt sich aus den Schutzgebieten der EU-Vogelschutzrichtlinie von 1979 sowie aus den neu auszuweisenden Schutzgebieten der FFH-Richtlinie zusammen. Wegen ihres hohen Werts für Flora und Fauna sind Spörkelnbruch und Hildener Heide als Natura-2000-Gebiet (Nr. DE-4807-302) an die EU-Kommission gemeldet worden.

Das 108 Hektar große (kleine?) Schutzgebiet besteht aus zahlreichen, durch Wirtschaftswald und ein extrem dichtes Wegenetz isolierten Einzelflächen. Heidemoorreste, Birken- u. Erlenbruchwälder, Sandbäche und Feuchtgrünland liegen verstreut im Laubholz- und Kiefernwald und bilden einen landesweit bedeutsamen Bruchwald-Heidemoorkomplex.

Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse nach der FFH-Richtlinie sind hier: Moorwälder (91D0, Prioritärer Lebensraum), Nährstoffärmere basenarme Stillgewässer (3130) Feuchte Heidegebiete mit Glockenheide (4010), Trockene Heidegebiete (4030), Übergangs- und Schwingrasenmoore (7140).

Königsfarn im Mai 2001Und was ist der Trick an dem ganzen FFH-Krams? Bei Planungen und Vorhaben in FFH-Schutzgebieten muss eine Verträglichkeitsprüfung nach der FFH-Richtlinie durchgeführt werden. Im Unterschied zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gilt insbesondere die in der UVP mögliche Abwägung aller Belange untereinander für die FFH-Verträglichkeitsprüfung nicht, der Naturschutz hat eine Vorrangstellung. Insofern ist zu hoffen, dass der Spörkelnbruch wirksam vor neuen Beeinträchtigungen geschützt ist, und in den folgenden Jahren durch Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen im Sinne des Naturschutzes optimiert werden kann. Wir arbeiten daran!

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